Klimaschutz erhöht Wettbewerbsfähigkeit

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‚Wie kann ich meine Geschäftsführung dazu bewegen, etwas oder mehr für den Klimaschutz zu tun?‘ Diese Leitfrage wurde bei einem Treffen des Energieeffizienz- und Klimaschutznetzwerks Südwestfalen-Rheinland diskutiert.

Das Netzwerk wird vom VDMA in Kooperation mit ProduktionNRW durchgeführt und trifft sich vier Mal im Jahr zu verschiedenen Themenschwerpunkten. Beim Treffen am 25. August 2021 stand der Klimaschutz im Mittelpunkt. Dr. Andreas Gahl ging aus der Sicht der Geschäftsführung auf das Thema „klimaneutrales Produzieren“ ein.

Mit Leidenschaft klappt der Weg in die Klimaneutralität
Gahl leitet die Geschäfte der Mendener Präzisionsrohr GmbH MPG seit dem Jahr 2004, einem mittelständischem Unternehmen im nordrhein-westfälischen Sauerland, einer Region, in der die Klimafolgen  besonders sichtbar sind: Stürme wie Kyrill haben den Baumbestand stark dezimiert. Hinzu kommen Trockenheit und Borkenkäfer. Auch die heftigen Regenfälle haben diesen Sommer Keller und Häuser rund um den Fluss Hönne in Menden überschwemmt und für hohe Schäden gesorgt. Die Naturkatastrophen häufen sich und spornen ihn und seine 150 Mitarbeiter an, mehr für den Klimaschutz zu tun – und das mit voller Leidenschaft: „Wir haben uns verpflichtet, bis spätestens 2030 klimaneutral zu produzieren, obwohl unsere Produktion mit einem jährlichen Stromverbrauch von ca. 11,5 GWh sehr energieintensiv ist“, sagte Gahl. MPG produziert Wärmetauscherrohre aus Kupferlegierungen bei rund 36 Millionen Euro Umsatz. Allein in den letzten beiden Jahren hat MPG 15 bis 20 Prozent Energie eingespart, seit 2005 insgesamt rund 35 Prozent! Weiterhin liegt der Eigenerzeugungsanteil bezüglich des Stroms bei rund 15 Prozent aus Fotovoltaik und Kraftwärmekopplung. Zudem bezieht der Mittelständler einen gegenüber dem Bundesdurchschnitt überdurchschnittlich hohen Anteil an grünen Strom. Alle Maßnahmen zusammen führten dazu, dass der CO2-Ausstoß seit 2005 halbiert werden konnte.

Klare Botschaft an alle Unternehmer in NRW
Das Beispiel zeigt: Nicht nur Konzerne, auch Mittelständler können die Klimaneutralität erreichen, denn: „Alle Maßnahmen sind wirtschaftlich und amortisieren sich mit der Zeit! Insofern kann ich nur raten, jetzt die richtigen Schritte einzuleiten“, fügte Gahl hinzu. Er schätzt Klimaschutz grundsätzlich wichtiger ein als Gewinnziele: „Ohne Klimaschutz ist künftig kein Unternehmen mehr wettbewerbsfähig: Zum einen sind die Folgekosten des Klimawandels enorm. Zum anderen werden unsere Kunden künftig ihre Aufträge nach nachhaltigen Gesichtspunkten vergeben.“ Mit dieser Botschaft richtet sich der Geschäftsführer vor allem an die Unternehmer, die bislang beim Thema Klimaschutz auf die Bremse treten: „Die Unternehmer aus dem Maschinen- und Anlagenbau müssen langfristig Perspektiven sichern und weitsichtig denken. Die Branche ist zudem auch noch wichtiger Gestalter klimaschützender Technologien und Innovationen. Mit dieser Doppelrolle geht kein Weg am Klimaschutz und der Energieeffizienz vorbei!“

Für kleine und mittelständische Unternehmen bringt der Weg in die Klimaneutralität zunächst durchaus eine hohe finanzielle Belastung mit sich. Einer der Teilnehmenden des Energieeffizienznetzwerks berichtete, dass schon das Umrüsten auf LEDs – trotz kurzer Amortisationszeiten – „auf taube Ohren der Geschäftsführung“ stieße. Das scheint kein Einzelfall zu sein: Auch zwei weitere Teilnehmer des Netzwerkstreffens haben zu ähnlichen Schwierigkeiten berichtet, während finanzstarke Mittelständler und Konzerne bereits bald wie das Unternehmen aus dem Sauerland die Klimaneutralität vermelden können: „Wir kommen inzwischen leichter an finanzielle Mittel heran, wenn wir unsere Energieeffizienz verbessern – es könnte aber noch besser sein!“, meinte einer der Teilnehmer eines größeren Konzerns aus dem Rheinland.

Tipps im Erfahrungsaustausch
Im Erfahrungsaustausch wurden Lösungen diskutiert, wie man sich zu diesem wichtigen Thema bei der Geschäftsführung Gehör verschaffen kann. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter Vorschläge einreichen. Aber der ‚grüne‘ Ruck muss grundsätzlich von der obersten Leitung avisiert werden. Ein wichtiger Tipp von Gahl war es, Schlüsselpersonen zu benennen: „Ich habe unseren Technischen Leiter und Elektriker gewonnen, sich mit den Themen zu beschäftigen! Das geschieht parallel zur eigentlichen Arbeit. Die Schlüsselpersonen wissen, dass ich die Ziele unterstütze. Das motiviert zusätzlich!“ Zudem ist einer der ersten Schritte dabei, Klima- und Energieeffizienz mit in der Unternehmensstrategie zu verankern. Denn auch Kreditgeber achten künftig verstärkt darauf, ob sich die Unternehmen für die Green Economy rüsten und somit wettbewerbsfähig bleiben.  

Fazit: Besser nicht warten, sondern jetzt anfangen
Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass jedes Unternehmen einen überdurchschnittlichen Beitrag für das Klima leisten muss. Schon jetzt liegt die Erde bei einem Grad Celsius Erwärmung und innerhalb der kommenden 20 Jahre soll die 1,5- Grad-Schwelle nach einem Sachstandbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) bereits überschritten werden. Der Druck auf Klimaschutzmaßnahmen wird insofern eher weiter zunehmen: „Wichtig ist es diejenigen Unternehmen finanziell zu unterstützen, die wirklich wollen und das Thema in der Unternehmensstrategie fest verankert haben“, ist Gahl überzeugt und meint: „Je länger die Unternehmen jetzt mit den Themen warten – desto teurer wird es am Ende werden! Denn um eine hohe Energie- und Klimaeffizienz zu erreichen, bedarf es vieler kleiner Schritte und diese benötigen Zeit: Vor 14 Jahren haben wir angefangen, um dort anzukommen, wo wir jetzt stehen!“.

NRW-Industrieinitiative zur Dekarbonisierung nutzen
Weitere Möglichkeiten zum Netzwerken ergeben sich über die NRW-Industrieinitiative zur Dekarbonisierung mit ProduktionNRW, kunstofflandNRW und Siemens-Energy. Die Industrieinitiative möchte den Austausch sowie den Wissenstransfer und das proaktive Handeln rund um umweltfreundliche Technologien und grüne Innovationen fördern. Die Veranstaltung finden Sie hier aufgeführt.

Weitere Informationen

Veranstalter
​​​​​​​Die Veranstaltung wird vom VDMA in Kooperation mit ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.